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Mittwoch, 13. August 2014

Der 13. August

Huhu, liebes Blogvolk.

In Zeiten schwindender Grundrechte, schaut der geplagte Bundesbürger gern auf angeblich schaurige Zeiten zurück und macht sich daran Mut, derzeit ist es doch gar nicht so schlimm. Ein passendes Datum findet sich dafür garantiert im August. Der 13., an diesem Tag wurde von der DDR die Grenze zur BRD und Westberlin geschlossen und nachfolgend die legendäre Mauer gebaut. Ob Zaun oder wirkliche Mauer, dass war von Ort zu Ort unterschiedlich.

Bei aller Hysterie zu diesem Thema kann wohl auch ein Museums-Knabe feststellen, dass diese Entscheidung der DDR mindestens die folgenden 15 Jahre sehr genützt hat und in der Bevölkerung bei weitem nicht so umstritten war, wie man uns heute gern glaubhaft machen möchte. Danach ist das was anderes, aber bis Mitte der siebziger Jahre aber auch.

Also wollen wir uns heute an die Grenzschließung erinnern und was für Vor- und Nachteile es den Menschen in beiden Teilen Deutschlands brachte.

Übrigens: Das Wetter war am Sonntag, den 13. August 1961, durchwachsen. In Berlin hat es nicht geregnet, aber die Temperatur stieg nicht über 17 Grad und von der Sonne war kaum etwas zu sehen.

Anders als heute!

Sonntag, 22. Juni 2014

Heute vor 40 Jahren schrieb Jürgen Sparwasser Sportgeschichte


Huhu, liebes Blogvolk.

Damals war’s. 1974 in Hamburg. Die Fans hießen noch Touristen und Nationalhymnen wurden nicht mitgesungen. Wir kannten unseren Text, aber ob dass in der BRD auch so war, weiß ich nicht.

Neben diesem tollen Tor ist natürlich Heinz Florian Oertel die Wiederentdeckung des Tages. Wenn man sich die heutigen Reporter so anhört, dann ist das von ihm gesprochene Wort richtig wohltuend. Eine persönliche Anmerkung: Den Radioreporter Wolfgang Hempel fand ich noch besser ☺.

Also genießt den Pass vom Frankfurter Hamann auf den Magdeburger Sparwasser und schaut mal genau hin, wie viele Spieler dem Sieger gratulieren ...

Samstag, 9. November 2013

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 13

Huhu, liebes Blogvolk.

Nach langer Zeit gibt es heute eine Fortsetzung in der Serie ‚Wie war das doch damals ...‘. Natürlich sind diese Ereignisse zwischenzeitlich schon mehr als 22 Jahre her, aber ich quäle mich schon seit einige Tage mit dieser Serie. Nach der Folge 7 bin ich etwas von der zeitlichen Reihenfolge abgewichen. Es gab Gründe hierfür. Genauso gibt es einen Grund, auf diese Zeitschiene wieder aufzuspringen.

Heute vor 24 Jahren liefen die Massen in Berlin, Hauptstadt der DDR, los und kein Zaun, egal wie hoch, konnte sie mehr aufhalten. Ich will in dieser Folge nicht die exakten Ereignisse um den 9.November 89 widerspiegeln. Das machen andere ausführlicher und besser. Hier soll es um meinen persönlichen Blickwinkel gehen. Wie ich die Tage davor und danach sowie die historischen Stunden erlebt habe.


Nach dem ‚Ausreisesommer‘ 1989 wurde die Lage im Land immer schizophrener. Die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag halfen der Partei- und Staatsführung nicht mehr weiter. Ein Zusammenbruch war noch in weiter Ferne, aber der Bedarf, besser Zwang, an Reformen, wuchs jede Stunde. Drei Wochen zuvor erfolgte die Ablösung Erich Honeckers von allen seinen Ämtern und Tage später wurde der Kronprinz Egon Krenz zum Generalsekretär, und was weiß ich noch alles, gewählt. Als junger Ingenieur, der über die verkrusteten Zustände in Politik und Wirtschaft frustriert war, habe ich und viele aus meinem Umfeld, Hoffnung aus dieser Entwicklung gezogen. Nach Jahren der Perestroika in der Sowjetunion, gab es nun auch für uns die Chance, ähnliche Veränderungen zu erleben. Rückblickend weiß ich, dass dafür der Zug der Geschichte längs abgefahren war. Menschen, die schon lange mit der DDR abgeschlossen hatten, waren beim Gehen. Aber nicht alle waren darüber glücklich, denn wir wollten nicht weglaufen, sondern selbst ins Rad der Geschichte greifen. Von den heutigen Geschichtshelden Merkel und Gockel-Gauck war damals nirgends etwas zu sehen. Sie waren aber die Helden, wie man heute weiß.

Wie sah es also konkret aus? Überall in der Republik wurden Wohnungen frei, weil sich die Leute über Ungarn und Prag absetzten. Aber die Mehrheit der Bürger weinte diesen ‚Flüchtlingen‘ kaum Tränen nach und so entstand eine neue Bewegung: Wir bleiben hier. Der Staat begann zu wanken, in den Betrieben fehlten von Woche zu Woche immer mehr wichtige Mitarbeiter und der Druck nach oben stieg. Das Politbüro rief eine Krisensitzung nach der anderen ein. Die Politiker wurden Tag und Nacht von Reportern, auch der sonst so linientreuen Presse, mit kritischen Fragen konfrontiert. Ihre Dünnhäutigkeit konnte man an der Körpersprache und Antworten erkennen. Die Mehrzahl der Entscheidungsträger waren der Lage nicht mehr gewachsen. Das befeuerte noch mehr die Medien, nicht nur die westlichen. Diese haben sich aber in dieser Zeit besonders damit hervorgetan, sich sehr in die inneren Angelegenheiten der DDR einzumischen. Ob die heutige BRD das so mit sich machen lassen würde, sei mal so hingestellt. Im Prinzip gab es, bis auf die beschrieben emotional und politisch aufgeputschte Atmosphäre, keinen Hinweis, dass etwas passieren könnte. Schon gar nicht in dieser Dimension. Denn im Nachhinein hat ein damaliger Kollege zu diesen Ereignissen gesagt: Das ist keine Entwicklung mehr, dass ist eine Explosion.

Richtig!

In den Tagen vor dem Mauerfall war ich mit einem westlichen Verwandten, die Mutter meiner Kinder und Kind 1.0 waren bekannterweise dieser Zeit nicht in Berlin, sehr viel in der Zions- (nebst Umweltbibliothek) oder Gethsemanekirche unterwegs und sprachen mit vielen Leuten. Es bildeten sich in der Zeit immer mehr Gruppen und Bewegungen. Alle wollten im weitesten Sinne die Weiterentwicklung der DDR, den legendären Dritten Weg. Keine Fortsetzung des bisherigen Sozialismus, aber auch kein Anschluss oder Beitritt an die BRD. Wir wollten es selber schaffen. Es schwammen in dieser Zeit zu viele Ideale mit. Darauf komme ich in einer späteren Folge dieser Serie noch einmal zu sprechen, wenn es um die Hoffnungen und Chancen nach dem Mauerfall geht.

Dann gab es am 9. November diese wichtige ZK-Tagung. Einer der Tagesordnungspunkte war der Entwurf eines neuen Reisegesetztes, das z. T. genehmigt, aber auch mit mindestens einem Widerspruch durch die Ministerien lief. Es konnte also nicht in Kraft treten, aber Schabowski hat um 18:57 Uhr in der Pressekonferenz zum Stand der Dinge im Land, mit dem Verlesen einer Textpassage, des ihm von Egon Krenz übergebenen Papiers, die Sache in Gang gesetzt. Der Wortlaut, der die DDR ins Reich der Geschichte schoss, ist wie folgt:

„Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“

Dann die ebenfalls legendäre Nachfrage eines Journalisten:

„Wann tritt das in Kraft?“ antwortete Schabowski wörtlich:

„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“

Das war sie. Die Explosion!!!


Ich war um diese Zeit auf den Weg in Richtung Studentenclub der HU. Gegen 21:00 Uhr schalteten die Leute hinterm Tresen das Westfernsehen ein. Dort sah ich Momper und Diepgen in trauter Einigkeit weinen. Da wusste ich, hier ist was wichtiges passiert und ging sofort nach Hause. Dort tickerte mich durch die hunderten Fernsehkanäle die wir damals hatten ☺. Es war eindeutig!

Am Grenzübergang Bornholmer war die Sache noch im werden. Am nächsten Morgen auf Arbeit waren alle Kollegen da (so sind wir nun mal ☺) und nach dem Frühstück ging es erst los. Wir nahmen Westberlin ein. Ich traf auf eine fremde Welt, die uns misstrauisch beäugte.

In diesen Stunden hörte die DDR faktisch auf zu existieren. Man hätte sie in den Jahren danach retten und den Dritten Weg gehen können. Das war aber seitens des Westens eindeutig so nicht gewollt.


[zweites Photo: HGUSM]

Montag, 24. Juni 2013

Rehabilitierung der DDR kann so einfach sein

Huhu, liebes Blogvolk. 
Was soll dieser Titel schon wieder, wird sich so mancher fragen. Aber so langsam müsste es auch der letzte Qualitätsjournalist Begriffen haben: Das Feindbild des letzten Jahrtausend, die DDR, kommt immer mehr auf Augenhöhe. Vielleicht überholt sie diese Republik ohne sie einzuholen. Dieser Scherz musste sein und gelernte DDR-Bürger wissen was damit anzufangen. 
Was ist also geschehe, dass ich diese Zeilen schreibe? So ganz nebenbei haben die Parlament in einigen Bundesländern (MP, Bremen ...) die Überwachung ihrer Bürger für den letzten Dorfpolizisten legalisiert. Nur zum Verständnis: Hier geht es um sensible persönliche Daten, wie zum Beispiel Kennwörter Eurer Mailaccounts, so dass jeder mitlesen kann. Das ist der heilige Gral eurer Daten und diese darf jetzt der letzte Dorfpolizist ohne richterliche Genehmigung einholen. Noch einmal in Worten: OHNE RICHTERLICHE GENEHMIGUNG. Einfach so. Die beiden großen Parteien und die FDP haben bestimmt das hohe terroristische Potential der einfache Landbevölkerung in MP oder des gemeinen Bremers im Auge gehabt, als sie dieses Gesetzt oder Verordnung auf den Weg brachten. 
Das ist keine Verschwörungstheorie, auch keine Bagatelle. Hier geht es schlicht und einfach um unsere Grundrechte und da sind solche Vergleiche gerechtfertigt. 

Und dann das noch: Die o. g. Bürgervertreter sprechen von einem nur GERINGFÜGIGEM GRUNDRECHTSEINGRIFF. Vergleichbares gab es in der DDR nie und nimmer. Wahrscheinlich geht so etwas auch nur mit einer Kanzlerin im Staff, die als Physikerin das technisch Mögliche gern ausloten und umsetzen lassen will, um ihr altes FDJ-Heimatland hinter sich zu lassen. 

Das ist ihr jetzt wirklich gelungen. Nur gratulieren kann will ich ihr dazu nicht!

Sonntag, 24. März 2013

Reinhard Lakomy ist tot


Huhu, liebes Blogvolk.
Was ist nur los zurzeit. Einer nach dem anderen von den ganz großen Musikern treten für immer von der Bühne ab. Heute ist es Reinhard Lakomy. Leider.

Er, der Mann der leisen Töne und eines festen Standpunktes, hat den Kampf gegen den Lungenkrebs verloren. Seine Musik hat groß und klein verzaubert. Titel wie Heute bin ich allein oder das Kindermusical Der Traumzauberbaum stehen dafür. Bekannt und beliebt war er auch für seinen festen Standpunkt zu kulturellen und politischen Themen. Ob es zum einen seine Meinung zu Zeiten der DDR über das Flitzen von Franz Bartsch war oder zum anderen in der Zeit nach der Kehre der Abriss des Palastes der Republik. Das hat ihn bei den neuen Machthabern nicht immer nur Freunde gemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass unser aller Freiheitspräsident Gockel-Gauck so manches Haar in der Suppe bei ihm finden würde.

Jedenfalls sind alle Kinder der Familie mit dem Traumzauberbaum groß geworden und allein deshalb werden wir ihn in Erinnerung behalten.

Mittwoch, 6. März 2013

FAZ ein journalistischer Windbeutel?


Huhu, liebes Blogvolk.

Ist die FAZ ein journalistischer Windbeutel? Wenn man sich die Meinungen der Menschen anhört, dann wohl eher ja.

Und warum? Das ist in vielen Fällen nicht einfach zu enthüllen, in anderen wieder ganz einfach.

Grundsätzlich wird die FAZ nicht für den einfachen Bürger herausgebracht. Aufmachung, Wortwahl und Volumen sind elitär angehaucht. Sollen sie auch für sich beanspruchen. Aber da kommen schon die ersten Kratzer zum Vorschein. Wie alle alten Printmedien, hat auch die FAZ massive Probleme mit ihrem Geschäftsmodell. Selbst die Klientel scheint nicht unbegrenzt für so ein Format Geld ausgeben zu wollen. Was tut man also? Man polarisiert und versucht die Kunden zu halten, die man noch hat. (Das hier nur am Rande: Liebe Kollegen von der FAZ, ein Auslaufmodell ist ein Auslaufmodell und jede Kosmetik ändert nichts daran)

Zum einen schreibt man für sein Klientel im Banken und Wirtschaftsbereich. Bestes Beispiel ist hier der Kanzlerkandidat der SPD. Steinbrück bekommt für seine offenen (und fast immer richtigen) Worte auch Prügel von der FAZ. Warum fragt sich dann so mancher (leider nicht jeder)? Ein Punkt könnte sein, dass Steinbrück etwas stärker als die Moderatorin Merkel den Banken auf die Füße treten will. Wie man hört, macht die Banken-Lobby hinter den Kulissen sich gegen Steinbrück immens stark. Da ist es natürlich nicht mehr sehr weit her mit dem Rückrad eines Qualitätsjournalisten. Da traut sich keiner sofort zu schreiben: Steinbrück hat recht. Sei es zum Beispiel das Kanzlergehalt oder die Wahl in Italien. Im Nachhinein stellt sich komischerweise immer schnell raus, dass der Kanzlerkandidat der SPD zeitnah die richtigen Worte gefunden hatte und die Qualitätsjournalisten trotten langsam hinterher. Aber bei den Banken hört bei den Qualitätsjournalisten in der Regel der Mut auf. Merkel schützt diese Geier und die Lobby stützt Merkel. Ein einfaches aber doch gut funktionierendes Muster. Die Kanzlerin ist wirklich für die Physiker der Welt kein Aushängeschild!!

Was mich aber zu diesem Artikel trieb, ist nicht Mutti Merkel, sondern ein Artikel von Frau Katrin Rönicke in der FAZ. Sie ist, und hier haben wir eine Parallele zur Kanzlerin, anscheinend die Vorzeige Ossi-Dame (bei der FAZ). Was heißt Ossi? Sie wurde 1982 in Lutherstadt Wittenberg geboren, Vater flitzte in ihrer frühesten Kindheit alleine in de Westen und sie kam dann 1989, noch vor der Wende, mit ihrer Mutter nach. Also wie wir sehen, hat sie die besten Voraussetzungen, um über den Osten zu schreiben. Sie muss einfach alles wissen. In ihrem Blogbeitrag Lechts und Rinks in West und Ost versucht sie dem geneigten Leser der FAZ nahe zu bringen, warum es im Ost so viele Neo-Nazis gibt. Und sie kommt sogar mit ihrer alten Heimat. Sie muss also wirklich dazu qualifiziert sein, die Wahrheit herauszuschreien. Da sie selbst nichts wissen kann, kommt sie mit den üblichen Literaturzitaten. Das ehemalige Amt und deren finanziell gesundes Umfeld von unserem Gockel-Gauck, machten diese Bibliothek möglich. Mag sein, dass da einige interessante Sachen drin stehen, aber in der Natur der Sache müssen die Werke eine eindeutige Schießrichtung haben: Sie müssen die DDR verteufeln und alles schlechtreden was da passiert ist, denn die Geldquelle will eindeutige Beweise für die richtige Verwendung der Mittel. Da darf es keine Zweifel geben.

Es hätte doch einfach mal gereicht, wenn sich die Dame Rönicke mit ihrer lila Bluse auf den Weg gemacht und ihre Heimat wirklich besucht hätte. Ich meine wirklich mit den Menschen sprechen, die dazu was sagen können. Ich hatte mehrere Jahre das Vergnügen dort zu arbeiten und zu leben. Ich könnte mir vorstellen, dass sehr viele Menschen, die da geblieben und nicht flitzen gegangen sind, ihr ganz andere Geschichten erzählt hätten. Auch über viele Widersprüche, aber auch über einen Antifaschismus im Lande. Den sicherlich nicht jeder gut fand, aber eine ganz andere Qualität hatte, als dass was im Westen passiert ist. Sie hätte richtig was lernen können. Ich schätze die Menschen dort sehr und das hätte sicherlich zu einem anderen Blogeintrag geführt.

Was wäre aber geworden, wenn sie etwas anderes geschrieben hätte. Höchstwahrscheinlich hätte man das so nicht veröffentlicht und mit der tollen lila Karriere wäre es dann so nicht weitergegangen. Aber dazu, so nehme ich an, macht sie das doch, um Erfolg zu haben.

Wie dem auch sei, unter anderem deshalb ist die FAZ für mich ein journalistischer Windbeutel!

Eine Verlinkung zu einem FAZ-Artikel ist mir leider nicht mehr möglich (würde ich auch nicht mehr machen wollen ☺).

Mittwoch, 6. Februar 2013

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 12 / Still Invasion

Huhu, liebes Blogvolk.
Als ich noch jung war, damals, da gab es auch schon Punkmusik ☺. Und das im Osten, wie schlimm müssen die Zeiten gewesen sein. Unser aller Freiheitspräsident hat davon bestimmt nichts mitbekommen, er war bestimmt mit anderen Sachen beschäftigt. Wir hörten damals neben Silly und Engerling, auch solche Bands wie Sandow. Eine Punkband aus Cottbus, die auch heute noch praktiziert und Konzerte gibt. Bekannt wurde die Band mit ihrem Song Born the GDR. Eigentlich ein Anti-DDR-Song, er wurde aber in der Wendezeit die Hymne der DDR-Kinder. Heute soll es nicht um diesen Song gehen, sondern um Still Invasion. Uns haben damals die Texte aus den Herzen gesprochen, wie z. B. die Zeile:

„Weißt Du was ich meine mit Doppelkinn
und
Deppen sind nette Leute …“.

Ja, das ist eine Zeit her und heute hat man selbst ein Doppelkinn ☺. Viel Spaß mit Sandow

Sonntag, 7. Oktober 2012

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 9

Huhu, liebes Blogvolk.

Es muss schon langsam heißen: „… vor 22 + x Jahren“, denn diese Aufnahme ist bereits 24 Jahre alt. Sie entstand zum 39. Republiksgeburtstag. Heute hätte man den 63ste gefeiert. Nur mal so.

Samstag, 29. September 2012

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 8

BERLIN-PRENZLAUER BERG (1990) from Neue Herrlichkeit on Vimeo.

Huhu, liebes Blogvolk.
Es ist ja hinlänglich bekannt, dass ich diese Blog-Serie auch für meine Kinder schreibe, damit die sich heute, morgen oder irgendwann einmal sich mit meiner, unserer Geschichte beschäftigen können. Andere schreiben ein Buch oder nerven in Redeschauen, ich schreibe diese Serie. Und da kommt natürlich auch gleich wieder etwas Kritik aus dem Internet: Also wenn Du, also ich, etwas schreiben willst für Deine Kinder, dann tue es gefälligst und finde nicht immer neue Ausreden. Stimmt, da ist was Wahres dran.
Jetzt gibt es keine Ausrede mehr und ich setze mich gleich an die nächste Folge der Serie: Wie war das … . Ja wie war das eigentlich? Die Erinnerung lässt so manchen Tag und so manche Tat etwas schöner aussehen, als sie vielleicht wirklich war. Deshalb ist es zwischen meinen Erinnerungsberichten mal gut, ein Stückl Film mit einzubauen. Und wie es der Zufall so will, habe dieser Tage bei der guten Anne Roth einen Film über die Wendezeit entdeckt (mein bester Dank in Richtung Anne Roth).
Einen Dokumentarfilm der DEFA, gedreht von Petra Tschörtner. Wie Dokumentarfilme so sind, zeigt auch dieser einige ‚besondere ‚Ausprägungen‘ des Lebens. Aber sie gehören nun einmal dazu, wie die, die ich mehrheitlich erlebt habe. Wenn man die Zeit verstehen und sich eine Meinung neben der offiziellen Geschichtsschreibung bilden will, dann ist dieser Film ein Muss.

Leider gibt es im Leben nicht nur gute Nachrichten. Eine von den traurigen ist die über Petra Tschörtner. Sie ist leider schon 2012 im Alter von 54 Jahren verstorben. Mein Beileid geht an die Angehörigen. Sicherlich ist es in ihrem Sinne, wenn ihre Werke von uns weiter gesehen werden. Aus diesem Anlass lasse ich meinen Protest mal etwas beiseite.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 7

Huhu, liebes Blogvolk.

Es ist eine Weile her, dass ich zu diesem Thema hier etwas geschrieben habe und eigentlich müsste jetzt oben eine 23 stehen, aber was soll's.
Im letzten Teil hatte ich die Zeit von den Kommunalwahlen bis zum 'Ausreisesommer' 1989 beschrieben. Es war eine Zeit, die für die Mutter meiner Kinder und für mich eine persönliche Zäsur darstellte. Das Kind 1.0 kam zur Welt und wir waren natürlich im siebten Himmel. Ein Arbeitskollege holte uns, die stolze Familie, mit seinem Auto vom Krankenhaus ab und brachte uns in unser kleines, aber schönes Heim. Man half sich eben unter Kollegen.
Unsere Ein-Raum-Wohnung war aber nur temporär für eine nun dreiköpfige Familie geeignet, insbesondere wenn dazu noch ständig Besuch aus fast allen Bezirken hinzukam.
Es musste eine neue Wohnung her! Aus der Sicht des Jahres 2012 nur eine Sache des Geldes, aber 1989 und in der DDR etwas schier unmögliches. Gut, wir hätten mit viel 'Gegenliebe' in Marzahn eine Plattenbauwohnung eventuell bekommen können, die wollten wir unter diesen Umständen aber nicht. Hinzu kam noch ein baulicher Mangel in der kleinen Behausung, begründet in der nicht korrekten Ausführung der Schornsteinsanierung. Im Rahmen der FDJ-Initiative Berlin, irgendwie Dachsanierung Prenzlauer Berg ... hastenichgesehen, wurden weitestgehend alle Dächer und Schornsteinköpfe saniert. Sicherlich gab es dabei auch Neuerervorschläge, so wie man diese heute auch noch kennt und einer betraf bestimmt die Höhe der Köpfe. Man hat ein oder zwei Reihen Klinker einfach eingespart und für die Bauarbeiter war alles gut. Nicht aber für uns. An drei von zehn Tagen in der Heizperiode, ging der Zug im Wohnzimmer (dort stand ein wunderschöner Kachelofen) andersherum. Nicht so prickelnd mit einem Baby in der Wohnung und in der DDR ging dann leider nichts im Rahmen der Schadenbeseitigung. Die Wohnung wurde als nicht bewohnbar eingestuft, aber eine neue hatte man deswegen immer noch nicht.

Ich habe unser damals dringlichstes Problem etwas ausführlicher geschildert, um aufzuzeigen, dass diese gar nicht so weit weg von den heutigen waren und das alltägliche Leben nicht vom bösen Stasikraken geprägt war. Es war auch nicht nur grauer Alltag, aber es gab viele Probleme. Und da man sehr viel mehr Freunde hatte als heute, gab es für Vieles eine Lösung. Das hat zusammengeschweißt. In der Partnerschaft und im Freundeskreis.

Aber zurück zu den Ereignissen im Herbst 1989. Die allgemeine politische Situation, insbesondere mit den alten Männern an der Spitze, wurde für die Menschen immer unzureichender. Die politische 'Gegenbewegung' im Lande, angeführt von Leuten der Umweltbibliothek oder dem Neuen Forum (die kamen später hinzu), wurde immer stärker und die Menschen ließen sich nicht mehr bevormunden. Eine schizophrene Welt bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR lies die Leute um die Rockmusiker Toni Krahl und einigen Schauspielern den Versuch unternehmen, eine Demonstration für die Meinungsfreiheit zu beantragen. Ja, das ging an sich nach den Gesetzen der DDR und sie wendeten sich meines Wissens an den Rechtsanwalt Gregor Gysi, um diese Demonstration offiziell zu beantragen. Und es funktionierte! Am 04. November versammelten sich fast eine Million Menschen (so damals die Tagesschau) auf dem Alexanderplatz in Berlin und sprachen sich für demokratische Veränderungen im Sozialismus der DDR aus. Sie wollten keinen Kapitalismus, sie wollten den Sozialismus mit demokratischen Antlitz. Das nur mal so am Rande, denn das hört und liest man heute nicht mehr bei den Qualitätsjournalisten.

Diese Demonstration hat das Land verändert und hat enorme Prozesse in Gang gesetzt. Ohne den 04. November hätte es den Mauerfall so schnell nie gegeben. Die Ereignisse des 09. Novembers wäre undenkbar gewesen. In diesen Tagen ist in Berlin wirklich Geschichte geschrieben worden, es war ganz großes Kino und keiner wusste, wo es hinführt.

Übrigens, unser aller Freiheits-Präsident ist damals nirgends zu sehen gewesen. Als es noch gefährlich war für eine solche Entwicklung einzustehen, war er nicht zu sehen. Später, als viele Wege ausgetreten waren, da war er dann der 'Held' für die Westmedien. Bis heute. Leider!!




[Photo: HGUSM]
[Resolutionstext: Internet]

Montag, 31. Oktober 2011

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 6


Huhu, liebes Blogvolk.

Nach den Kommunalwahlen im Mai 1989 konnte man in der DDR die bevorstehenden Veränderungen mit Händen greifen. So sieht man das natürlich mit dem Blick des Jahres 2011. Damals war unsere Sicht auf die Dinge eine völlig andere. Wir wollten die Veränderungen in der Gesellschaft, keine andere, aber eine, die sich sehr wohl durch innere demokratische Prozesse selbst erneuern kann. Das hatten wir in nächtelangen Diskussionen hunderte Male durchgekaut, aber die Realität sah anders aus. Wir waren von einem Status quo umzingelt, der verknöchert wirkte. Aber es war auch was anders als vor der Wahl. Den Bürgern wurde vor Augen geführt, was man bewegen kann, wenn man sich bewegt. Man sah, es gab nicht nur undemokratische Gesetze, sondern es gab auch viele positive Elemente darin. Als mündiger Bürger, so verstanden wir uns immer mehr, fühlten wir uns dazu verpflichtet, diese auch auszuloten. Jeder in seiner begrenzten Form, aber die Masse hat in dieser Hinsicht eine große Dynamik.
Nicht zuletzt sehen wir das auch im Jahr 2011. Nur so kann man der Politik Zugeständnisse abringen. Die Regelmechanismen sind damals wie heute gleich. Wenn nur genügend Menschen sich für eine Sache stark machen, läuft die Politik beflissen hinterher. Hinterher, nicht vornweg!
Also was war das besondere am Sommer 1989? Es gab eine große Absetzbewegung über Ungarn in den Westen. Malerisch vom Westfernsehen jeden Abend ins Bild gesetzt und von den Bürgern sehr feinfühlig wahrgenommen. Es liefen die weg, die sich immer mit dem Gedanken herumschlugen und solche, die es vor wenigen Monaten noch gar nicht wollten. Die das Land aber dringend brauchte, wenn man einen anderen Weg gehen möchte. Gerhard Schöne hat in dieser Zeit ein Lied geschrieben, dass die Situation damals beschreibt. Es geht in diesem Lied darum, dass alle die weg wollten, an ihre Autoantennen ein weißes Band machten. Deshalb hieß sein Lied auch ‚Das weiße Band‘. Was viele damals dachten, kommt in den Zeilen ‚Ein rotes Band lass ich wehen…‘ vor. Er war keiner der weglief, sondern sich für Veränderungen engagierte. Er, eine Ikone der Vorwendezeit, der durch seine Texte vieles ermöglichte. Im Westfernsehen wurde immer Biermann als jeniger welcher benannt, dem die Menschen in der DDR zuhörten. Seine Lieder und Texte kannte kaum einer, außerdem waren sie viel zu kryptisch und wer in einem anderen Land so hoch gehoben wird, dem schaut man etwas misstrauisch hinterher. Ganz anders war es bei Gerhard Schöne. Er sang sich in die Herzen mindestens einer ganzen Generation und blieb ihnen immer treu. Er lief auch nicht in einer Zeit weg, in der es uns allen möglich war und eine Staatsnähe konnte man ihm nie und nimmer nachsagen.

Dieses Lied beschreibt unsere relative Ohnmacht, auf das, was um uns passierte. Aber nicht nur wir waren in unseren Handlungen beschränkt. Wie man heute weiß, waren die hohen Damen und Herren mit dieser Situation im Land völlig überfordert. Die einsetzenden Montagsdemonstrationen in Leipzig, die verstärkte Arbeit solcher Gruppen wie der Friedensbibliothek in Berlin, alle diese Aktionen konnten durch ein noch so starkes Sicherheitsnetz nicht verhindert werden. Was vor 1988 vielleicht noch möglich war, ging definitiv im Jahr 1989 nicht mehr. Dazu waren die Aktionen zu mächtig und die Anzahl der aktiven Bürger zu groß geworden. Alles was bis dahin als sicher galt, kam irgendwie aus den Fugen. Alle wussten es muss sich was bewegen und ändern, nur keiner konnte sagen, was und wie. Hier gibt es wieder schöne Parallelen zu heute.
Was dann kam und was aus meiner heutigen Sicht sehr wichtig war, war das Handeln von Prominenten und Künstlern. Warum wichtig, dass will ich im nächsten Artikel näher beleuchten.

Bis später.


[Photo: HGUSM]
[Songtext: Mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Schöne]

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 5


Huhu, liebes Blogvolk.



In den bisherigen Teilen bin ich bis zu den Jahren 1987/88 gekommen. In diesen Jahren gab es, und davon hört man heute recht wenig, für viele DDR-Bürger erhebliche Reiseerleichterungen. Natürlich ging es nur um Reisen in das NSW (Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet) und sie kam nur für Bürger in Betracht, die in diesem Gebiet/Ländern Verwandte hatten. Die anderen konnten nicht dorthin fahren.


Natürlich gab es diese Erleichterungen nur, um die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zurückzuschrauben. Mit wenig Erfolg. Die ganze Sache hatte eine Eigendynamik bekommen, die die Machtverhältnisse im Land erschütterten. Natürlich war die Staatssicherheit überall, aber dann doch wieder nicht so allmächtig, um die vielen Gruppen mit mutigen Menschen in den Griff zu bekommen.



In diese Situation hinein kam die Kommunalwahlen im Mai 1989. Bei dieser gab es zumindest bei uns im Prenzlauer Berg ein Novum. Ein ganz normaler Bürger, so wie Du und ich, ließ sich für die Stadtbezirksverordnetenversammlung (oder wie das damals hieß) aufstellen. Wie viele demokratische Grundstrukturen, war auch dieses Recht im Wahlgesetz der DDR verankert, nur sie wurden nicht mehr ‚gelebt‘. Zum einen sicherlich aus Angst, die Kontrolle über die ablaufenden Prozesse zu verlieren und zum anderen weil es zu wenige Bürger gab, die es einfach probiert haben (ähnlich wie heute vor Stuttgart 21). Der Schaden für die Demokratie in der DDR war dadurch erheblich. Hinzu kam die allgemein spürbare Verunsicherung der Behörden und öffentlichen Stellen.



Andere Bürgerinitiativen wollten in Berlin zum ersten Mal das Wahlergebnis überprüfen. Sie gingen aus diesem Grund in jedes Wahllokal und nahmen an der öffentlichen Auszählung Teil, schrieben die Ergebnisse mit und trugen sie aus ganz Berlin, Hauptstadt der DDR, zusammen. Auch das ließ das Wahlgesetz der DDR zu. Das Ergebnis war ernüchternd. In einzelnen Wahllokalen gab es fast so viele Gegenstimmen, wie im offiziellen Wahlergebnis für ganz Berlin. Dieses Engagement der Bürgergruppen brachte in der DDR vieles ins Rollen. Man sah zum ersten Mal ‚offiziell‘, wie man verschaukelt und wie die Wahrheit Verbogen wurde. Der Effekt war der, dass noch mehr Bürger sich in irgendwelchen Bürgergruppen engagierten oder sich vom Staat abwandten. Ich hatte es schon mehrmals erwähnt, es ging für viele nicht darum das Land zu verlassen, sie wollten nur eine demokratischere DDR. Auf alle Fälle hatten die oppositionellen Gruppen nach der Kommunalwahl einen erheblichen Zulauf und aus meiner Sicht wäre es mit einer anders verlaufenden Wahl, nicht oder mindestens nicht so schnell zum Mauerfall gekommen. Das ausschlaggebende Element für die Wende in der DDR war damit eindeutig die Kommunalwahl 1989. Die setze Prozesse und Massen in Gang, die nicht mehr einzufangen waren und der Kern hierfür war Berlin, speziell der Prenzlberg.



Was haben wir, d. h. die Mutter meiner Kinder und ich, in dieser Zeit gemacht? Wir waren u. a. nicht bei der Wahl. Das ging an sich ganz einfach. Man musste nur ein paar Besuche vom WBA (Wohnbezirksausschuss) erdulden, aber es ist einem dabei nichts passiert. Wir hatten auch schon schlimmere Situationen erlebt. Wieso erwähne ich das? Nein, Helden waren wir nicht, aber wir haben was getan. Ich kann mich noch gut an die Nachrichten an diesem Sonntagmorgen erinnern. Da wurde um 09:00 oder 10:00 Uhr für Wohngebiete in Thüringen und Sachsen gemeldet (dort wohnten Freunde von uns), dass bereits alle wählen waren. Leute, die als alles vorbei war, sich als große Helden deklarierten, waren als es einmal drauf an kam, nicht zu sehen. Viele von denen haben nach der Wende gut Karriere gemacht. Sei es ihnen gegönnt!


So wie auch dem oben genannte ganz normale Bürger, der in die Stadtbezirksverordneten-Versammlung gewählt wurde. Später hatte ich mal mit ihm zu tun und er sagte mir, die anderen konnten mit ihm nichts anfangen, er war für sie ein richtiger Fremdkörper. Aber er war da und das war sehr wichtig für den Herbst 1989.



Dazu später mehr.





[Photo: HGUSM]

Sonntag, 9. Oktober 2011

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 4


Mit diesem Beitrag kommt die Chronologie dieser Serie etwas durcheinander, er soll aber auch nur als Zwischenschnipsel wirken. Als Fingerzeig, denn dieser Tag war wichtig.
Am 08.10.1989 sprach in der Gethsemanekirche Bischof Forck. Er forderte die DDR-Führung auf, deutlich und glaubhaft Schritte einzuleiten, damit […] eine demokratische und rechtsstaatliche Perspektive für die DDR gefunden wird.

Aus meiner Sicht war das ein Meilenstein im Herbst 89. Ohne ihn wäre vielleicht manches anders verlaufen. Deshalb die Abweichung von der Chronologie. Später werde noch näher auf dieses Ereignis eingehen.

Später mehr.

Samstag, 8. Oktober 2011

Wie war das doch noch einmal vor 22 Jahren - 3


Das Jahr 1988 begann spektakulär. Die Mutter meiner Kinder und ich sind zwei Jahre zuvor aus Thüringen weggezogen. Eigentlich mehr geflüchtet. Sie wurde am Rande einer Ausstellung unter dubiosen Behauptungen verhaftet und sollte nach §106 (1), Punkt 1, angeklagt werden. Genauso dubios war die Rückwicklung dieser ganzen Angelegenheit. Eins haben alle Systeme gleich, sie scheuen die Öffentlichkeit. Das war auch ein wesentlicher Schlüssel, um unser Problem zu lösen.
Eine Freiheitsstrafe von bis zu acht Jahren noch lebhaft vor Augen, haben wir relativ schnell in Thüringen unsere Zelte abgebrochen und sind nach Berlin gezogen. In den Stadtbezirk der heute noch angesagt ist, in den Prenzl-Berg. Genauso wie heute war es ein Ort wo viele junge Leute hingezogen sind. Anders als heute waren es Leute, die nicht mit dem System, aber mit der Staatsführung gebrochen hatten. Dort grab es ein angesagtes kulturelles und politisches Leben, jenseits der offiziellen Berichterstattung. Und es war ein Ort um unter zu tauchen. In den tausenden Hinterhäusern des Arbeiterbezirkes gab es viele leerstehende Wohnungen. Einige waren noch so intakt, dass man darin wohnen konnte. Man zog ein, bezahlte die Miete auf das KWV-Konto und nach einem viertel Jahr ging man zu diesen Damen und Herren. Man überraschte sie mit der Information, man sei dieser, der ständig die Miete überweist und man möchte doch gern einen Mietvertrag haben. Ein wenig schimpfen hier, ein paar Tränen dort und schon hatte man einen Mietvertrag. Für den Rest der Republik völlig undenkbar. Dort zogen wir hin und trafen viele Gleichgesinnte. Der Prenzl-Berg war voll mit solchen Typen wie uns. Ein Schmelztiegel der Kultur und Politik und einer der besten und größten Geheimdienste der Welt konnte relativ wenig dagegen machen. Der Durchsatz war so enorm, dass man eben unter sich war. Dort entstanden Gruppen in oder jenseits der Kirche (Friedensbibliothek) oder sammelten sich Menschen um schillernde Persönlichkeiten (Anderson). Es war ein Traum und dort fühlten wir uns wohl. Wie gesagt, es ging nicht darum das Land zu verlassen. Viele einte die Suche nach Alternativen.
Als wir nach Berlin kamen, fand ich binnen Stunden eine Arbeit. Bei der Mutter meiner Kinder war das schwieriger. Sie war einige Monate arbeitslos. Eine der wenigen in der DDR, aber auch das gab es. Und es fand sich ein Job, der sie interessierte und im wesentlichen bis heute ausfüllt.
Das alles schreibe ich nur, um den Hintergrund ein wenig zu beleuchten. Wie gesagt, das Jahr 1988 begann spektakulär. Im Januar gibt es bis heute die Demo für Karl und Rosa. Zu DDR-Zeiten natürlich ein Event unter ganz anderen Vorzeichen als heute. Die Mutter meiner Kinder frisch im neuen Job und da wollten wir den guten Willen zeigen und dort mal hingehen. War ein Fehler. In diesem Jahr hatte die Gruppe um Stefan Krawczyk ‚etwas’ geplant, was den Sicherheitstypen nicht entgangen war. Dementsprechend war dann die Sicherheitslage allgemein und die Aktion gegen die Gruppe im besonderen. Was da geschah weiß jeder oder kann man nachlesen. Es gibt ja das Internet. Wir also kamen auf dem Weg zur Karl und Rosa-Demo zum Frankfurter Tor. So wie ich damals aussah, mit Lodenmantel und wie auch immer, sind wir in das Beuteschema bestimmter Leute auf diesem Platz gefallen. Man zerrte uns ‚diskret‘ in einen der Säulengänge die es dort gibt und überprüfte uns. Unsere altbekannte Strategie „Öffentlichkeit suchen“ schlug total fehl, weil der gesamte Platz nur von solchen Leutchens ausgefüllt war. Ich war zum ersten Mal erschrocken über die Macht, die dieser Apparat hatte. Nicht wegen der Präsenz Vorort, nein, weil die Herren große Listen hatten, mit vielen Namen. Aus irgend einem Grund standen wir da nicht drauf und konnten gefühlte Tage späte wieder gehen.
Warum erzähl ich das so lang wie breit? Weil unser Leben sich danach wieder einmal total veränderte und nach meiner Einschätzung traf das auf große Teile unseres Landes zu. Wir wurden massiv überprüft. Ich bekam von mir wirklich wohlgesonnen Menschen eine Rückmeldung, wie „Was hast Du denn angestellt? Was hast Du denn ausgefressen? Hier waren mehrere Leute und wollten das und das über Dich wissen.“ Das war damals eigentlich nichts Besonderes, aber nicht in dieser Dichte. Was mich aber getroffen hatte war eigentlich der Fakt, dass gute Freunde ganz oder weniger offiziell den Kontakt zu uns abbrachen. Offiziell die, die den Mut dazu hatten. Andere hatten nur ihre Karriere im Sinn und waren feige noch dazu.
Das war mein Eindruck ab so 1987/88. Da spaltete sich der verbleibende Rest der Gesellschaft. Einige sahen es lockerer, die anderen wurden zum Teil zur Verbissenheit getrieben. Es war ja auch logisch, denn der Laster ‚DDR’ raste immer schneller Richtung Abgrund und es ist den alten Herren oder mindestens den Entscheidungsträgern darunter, ein wenig aufgefallen.
So sah es in Berlin aus. In der Provinz war das alles viel ruhiger und viel mehr unter Kontrolle. Die schimpften erst einmal auf die Berliner und dann viel später dachten sie daran, was zu ändern.

Später mehr!















[Photo Gethsemane-Kirche 08.10.1989: HGUSM]

Freitag, 7. Oktober 2011

Beinahe vergessen


Heute ist Republikgeburtstag. Der 62. ? Irgend so etwas muss es sein.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Welt online zum Republikgeburtstag

Was anderes habe ich auch nicht erwartet oder was zu beweisen war (siehe Artikel von heute Vormittag). Weiter so.

Heute ist 59. Republikgeburtstag


Man wird wohl noch einmal daran erinnern dürfen und Hoffnung äußern, dass sich die Sicht auf dieses Land endlich mal entkrampfen wird. Die Qualitätsjournalisten und Medienmacher sollten deshalb mal etwas in sich gehen und Asche auf ihr Haupt streuen. Das kann doch wohl nicht so schwer sein.